Sonntag, 30. Oktober 2011

Abwägen ...

... muss jetzt unser Regierungspräsident Johannes Schmalzl die Stellungnahmen von Bürgern und Vereinen zum Entwurf seines Luftreinhalteplanes. Aus dem vorliegenden Entwurf gewinnt man den Eindruck, dass Schmalzl offenbar das Ziel aufgibt, den EU-weit gültigen Grenzwert für Stickstoffdioxid in absehbarer Zeit auch in Leonberg einzuhalten. Exemplarisch verweisen wir auf die Stellungnahme [1] der Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL).

Das Wort "abwägen" bedeutet eine Angelegenheit von verschiedenen Seiten gründlich zu betrachten, um sie sodann zu beurteilen. Es genügt also nicht, einzelne Aspekte, wie beispielsweise die Rechtslage, zu würdigen; vielmehr ist eine ganzheitliche Bewertung einschließlich des Standes der wissenschaftlichen Forschung erforderlich. Dabei wollen wir dem mit folgendem Hinweis behilflich sein:
 
Die renommierte Fachzeitschrift 'European Respiratory Journal' veröffentlichte im Jahre 2006 einen fundierten Artikel [2] über Forschungen, die von der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen Ihres Umwelt- und Klimaprogrammes gefördert wurden. Die Wissenschaftler vergleichen dort für 30 europäische Städte die Sterblichkeit an Herz-/Kreislauf- und Atemwegserkrankungen (ungefähr die Hälfte aller Todesfälle ist auf solche Ursachen zurückzuführen) und finden einen Zusammenhang mit der Belastung mit Stickstoffdioxid: bei jeweils 10 µg/m³ Mehrbelastung steigt die Sterblichkeit um 0,3-0,4%. Bei uns in Leonberg wurde im Jahr 2010 der Grenzwert um 30 µg/m³ überschritten. Deshalb steigt unser Risiko an entsprechenden Erkrankungen zu versterben um rund 1%. Wir appelieren deshalb an Regierungspräsident Schmalzl für Einhaltung des EU-weit gültigen Grenzwertes zu sorgen.

Quellen: 
[1] Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL): "Stellungnahme zum Entwurf der Fortschreibung des Luftreinhalte-/Aktionsplans ...Teilplan Leonberg", Oktober 2011 
[2] E. Samoli et.al.: "Effects of nitrogen dioxide on mortality", Eur. Respir. J. (2006) 1129-1137.