Samstag, 27. Oktober 2012

Schilder verrückt ...


... als erstes betrachten wir heute die Tempolimits auf der A8 zwischen dem Dreieck Leonberg und Anschlussstelle Rutesheim. Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL), sowie der Bürgerverein Leonberg-Silberberg e.V. fordern schon seit Jahren ein Tempolimit (beispielsweise hier oder hier).
  • Nach dem schweren Unfall eines Tanklastzuges wurde im Februar 2011 auf der Wasserbachtalbrücke in Richtung Osten vor dem Einlauf ins Leonberger Dreieck Tempo 80 angeordnet (Bericht dazu: hier). 
  • Einer Bitte der Bürgerinitiativen am 24.11.2011, ein solches Tempolimit vor der Wasserbachtalbrücke auch in Richtung Westen zu verhängen, sind die Behörden nicht nachgekommen. Stattdessen wurde das zurückgebliebene, möglicherweise ja irgendwie "in Vergessenheit geratene" Tempolimit in Richtung Osten im Dezember 2011 wieder aufgehoben (Bericht dazu: hier).
  • In Richtung Westen besteht im Auslauf des Leonberger Dreiecks ein Tempolimit von 120 km/h. Bis zum Sommer 2012 stand das Ende aller Streckenverbote - die Aufhebung des Tempolimits - nahe der Anschlussstelle Leonberg-West, also vor der Wasserbachtalbrücke und der dahinterliegenden Steigung nach Rutesheim (Bild 1 im Bericht hier).
  • Im August haben die Behörden das Schild einige hundert Meter in Richtung Westen hinter die Wasserbachtalbrücke in die Mitte der Steigung versetzt (Bericht hier).
  • Und soeben wurde das Schild wieder vor die Wasserbachtalbrücke vorverlegt. 



Auf der A8 wird neuerdings das Tempolimit in Richtung Westen vor und nicht mehr hinter der im Hintergrund schwach sichtbaren Wasserbachtalbrücke aufgehoben. Man sieht ferner den Übergang im Straßenbelag zwischen dem lärmmindernden offenporigen Asphalt (dunklere Färbung) und dem lauteren Splitmastixbelag (hellere Färbung). Foto vom 27.10.2012.
Zusammenfassung: In dem knappen Jahr zwischen Dezember 2011 und Oktober 2012 wurden die Tempolimits auf 7 km Strecke dreimal geändert. Die Schilder hat man versetzt. Man könnte aber auch sagen: verrückt, oder?

Im Laufe des Jahres haben sich nämlich die Verkehrsbelastung auf der A8, die Unfallhäufigkeit, sowie die Lärm- und Schadstoffbelastung der umliegenden Wohnsiedlungen sicherlich nicht unerwartet verändert. Was mögen also die Gründe für das Schilderrücken sein? Vielleicht Langeweile im Behörden-Alltag oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen? Unnötiges Schilderrücken kostet jedenfalls Geld ...

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Tempolimits werden oftmals verhängt, um Unfälle zu vermeiden. Deshalb hier noch einige aktuelle Meldungen zu Unfallzahlen auf den Autobahnen bei Leonberg:

Die Stuttgarter Zeitung berichtet am 15.10.2012 unter dem Titel "Heißer Asphalt gegen einen Unfallschwerpunkt", dass am Leonberger Dreieck brüchiger Fahrbahnbelag saniert wird. Außerdem steht da: "nicht weit von der Baustelle entfernt zeigt sich am Samstagmorgen, dass die A8 bei Leonberg nach wie vor unfallträchtig ist. Gegen 4 Uhr in der Frühe kommt ein Lastwagen nahe Leonberg-Ost nach einem Ausweichmanöver von der Fahrbahn ab und verkeilt sich in der Leitplanke. Die Feuerwehr Leonberg rückt mit drei Fahrzeugen und sieben Mann aus, weil Öl ausgelaufen ist. Der Fahrstreifen Richtung München ist stundenlang gesperrt" 

Die Stuttgarter Nachrichten berichten am 17.10.2012 unter dem Titel "Autobahn A8 früher als geplant wieder frei" unter anderem auch über die Unfälle im Bereich der Baustelle zwischen dem Kreuz Stuttgart und der Anschlussstelle Möhringen: "In den ersten vier Monaten ereigneten sich im Baustellenbereich 142 Unfälle mit sechs Schwer- und 66 Leichtverletzten. ... Unter anderem war ein Reisebus auf einen Lastwagen aufgefahren, dabei gab es 19 Verletzte. In der Folgezeit fuhren immer wieder Sattelzüge auf - mit stundenlangen Aufräumungsarbeiten, die knapp 20 Kilometer Staus verursachten. Die endgültige Unfallbilanz für die Baustelle liegt noch nicht vor."

Die Stuttgarter Nachrichten berichten am 23.10.2012 unter dem Titel "Autobahn A8: Tauziehen um Tempo 120"  erschreckende Unfallzahlen: "Nach Informationen unserer Zeitung gab es im letzten Jahr auf dem 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen Leonberg und Möhringen 371 Unfälle - statistisch jeden Tag mindestens einen. Einer der schwersten spielte sich am 25. August 2011 um 0.45 Uhr ab, als ein rasender BMW-Fahrer einen Transporter rammte und zwei LKW in Flammen aufgingen. Bilanz: Zwei Tote, eine halbe Million Euro Schaden." Derweil beschäftigen sich unsere Behörden mit kurzweiligen Spielchen bei der Diskussion um Tempolimits: "Der Bund weist die Verantwortung dafür von sich: "Für die Geschwindigkeitsregelungen sind die jeweiligen Landesbehörden zuständig", sagt Staatssekretär Scheuer, "da mischen wir uns nicht ein". ... Der Schwarze Peter liegt nun beim Regierungspräsidium. "Wir prüfen das derzeit", sagt der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP). "Ein Tempolimit wäre dann möglich, wenn Sicherheitsgründe dafür sprechen würden.""  Ach so! Wir sind gespannt, wie lange der Regierungspräsident so etwas prüft und ob er das Ergebnis seiner Erwägungen einer interessierten Öffentlichkeit kommuniziert.

Am 26.10.2012 berichtet die Stuttgarter Zeitung unter der Überschrift "Autobahn wird gesperrt: 20 Tonnen Öl ausgelaufen", dass ein LKW mit Silikon-Öl in Brand geriet, was eine Vollsperrung der Autobahn und 16 km Stau zur Folge hatte. Es geht also Schlag auf Schlag bei den Unfällen mit gefährlichen Ladungen.

Dazu passt dann noch eine Nachricht der Staatssekretärin Dr. Gisela Splett, die uns am 23.07.2012 schrieb: "Zur Unfallsituation kann ich Ihnen mitteilen, dass es auf der A8 zwischen dem Autobahndreieck Leonberg ... und AS Rutesheim ... in beiden Fahrtrichtungen im Jahr 2012 bislang insgesamt 49 Verkehrsunfälle gegeben hat. Nach Auskunft der Polizei ist eine Unfallhäufungsstelle nach wie vor nicht festzustellen." Prima, in einem halben Jahr auf rund 7 Kilometer Strecke bloß 49 Unfälle! Dann ist ja alles in Ordnung und man braucht nichts zu tun. Wie sagte doch Regierungspräsident Schmalzl: "Ein Tempolimit wäre dann möglich, wenn Sicherheitsgründe dafür sprechen würden."

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Autobahn blockiert ...



Der ORF schrieb am 28.09.2012 im Artikel 
"Volksfeststimmung bei Blockade" über eine große Protestaktion auf der Inntalautobahn. Die Aktion dauerte viele Stunden. Im Artikel steht: "Die unzähligen Fahrräder verliehen der Inntalautobahn einen ungewohnten Anblick. Als Zuseher glaubte man sich angesichts der Scharen von Rädern in einem Rad-Volkswandertag. Laufräder, Kinderwägen, Inline-Skater und Roller im Schritt-Tempo statt vorbei zischender Autos und Lkw - „A Ruah’ is!“ brachte es eines der Transparente auf den Punkt."

Die Oekonews aus Österreich berichteten am 29.09.2012 ebenfalls über diese Aktion und deren Hintergründe im Artikel "Blockade der Tiroler Inntalautobahn". Auslöser für den Protest waren massive Grenzwert-Überschreitungen beim gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid. Es wurden sehr konkrete Zahlenwerte über die Höhe der Überschreitung genannt:

  • Kundl A 12 + 77 % 
  • Vomp A 12 + 120 % 
  • Gärberbach A 13 + 70 % 
  • Schrambach A 22 + 117 % 
  • Neumarkt A 12 + 57 % 
Zum Vergleich: In Leonberg gibt es an der Messstelle Grabenstraße seit Jahren Überschreitungen von ganz ähnlicher Größenordnung. Laut Aussage des Regierungspräsidiums Stuttgart wird das Problem aber vom dortigen innerörtlichen Verkehr verursacht und ist deswegen lokal begrenzt. Die Belastung durch die Autobahnen bei Leonberg klingt angeblich bereits in kurzem Abstand von den Fahrstreifen ab. 

Wir fassen deshalb zusammen: an österreichischen Autobahnen ist mit erheblicher Belastung durch Stickstoffdioxid zu rechnen, man hat diese gemessen und die Leute protestieren gegen die starken Grenzwertüberschreitungen in den Wohngebieten im Inntal. Bei uns in Deutschland hingegen wissen die Verantwortlichen, dass die Belastung gleich 100 Meter neben der Autobahn abgeklungen ist und deswegen braucht man diese gar nicht erst zu messen.

Wir interpretieren diese Diskrepanz zwischen Deutschland und Österreich einfach mal so: Wahrscheinlich gelten ja in Tirol und in Baden-Württemberg unterschiedliche physikalische Gesetze für die Ausbreitung von Luftschadstoffen.

Interessant finden wir das starke Bürgerengagement der Österreicher - man will sich dort offenbar durchsetzen ... Dafür spricht, dass es in Salzburg jetzt auch schon rumort. Der Salzburger Teil der Internetseiten des ORF schreibt am 15.09.2012  "Autobahn: Anrainer fordern 80er-Limit" über eine beabsichtigte Demonstration auf der dortigen Westautobahn: "Sie wollen am 21. Oktober ihre Forderungen bei einer großen Demonstration und Sperre der Autobahn bekräftigen."  Der Grund für die Auseinandersetzung ist übrigens, dass in nahe gelegenen Wohngebieten Lärm und Stickoxide die Grenzwerte überschreiten. Die Verkehrszahlen auf der dortigen Autobahn sind mit 90.000 Kfz pro Tag absolut vergleichbar mit Leonberg mit gut 80.000 auf der A8 und rund 140.000 auf dem Autobahndreieck.