Freitag, 28. November 2014

Unerklärliche Sparsamkeit

Für gewöhnlich verlinken wir ja nicht auf die Pressemitteilungen von einzelnen Parteien, machen aber jetzt eine Ausnahme mit der PM 286/2014 vom 27.11.2014 aus der CDU mit dem Titel "Verkehrsminister Hermann verschenkt erneut Bundesmittel: Millionen für Lärmschutzmaßnahmen bleiben ungenutzt und kommen nun anderen Ländern zu Gute". Dort heißt es: "Trotz eigener Lärmschutzbeauftragten in Person von Staatssekretärin Dr. Splett scheine die Landesregierung nicht Willens und nicht in der Lage zu sein, ihrer Aufgabe gerecht zu werden."

Mittel für Lärmsanierungsmaßnahmen: 
Genehmigt wurde der "Verfügungsrahmen" und ausgeschöpft wurde das "Ist".

Also: da beklagen sich die Anwohner der Autobahn A8 schon seit Jahren über Grenzwertüberschreitungen beim Lärm und beim Lückenschluss B464/295 wird ein Provisorium gebaut ohne Berücksichtigung von Lärmschutzmaßnahmen. Gleichzeitig läßt die Landesregierung von ihr selbst beantragte und vom Bund genehmigte Mittel verfallen?

Kann das mal jemand erklären?


Mittwoch, 12. November 2014

Fass ohne Boden ...

Danaos (Δαναός) war einstmals König von Argos. Seine fünfzig Töchter töteten in ihrer Hochzeitsnacht auf sein Geheiß ihre Verlobten. Das war auch in der Antike strafbar. Und deshalb müssen seine Töchter, die Danaiden, seither im Tartaros - das ist die griechische Unterwelt - Wasser in ein Fass ohne Boden schöpfen. Wir lernen aus dieser Sage: schon vor Jahrtausenden empfand man Aufwendungen, die sich auf Dauer nicht lohnen, als quälend.


BAB A8, Oktober 2014: Reparatur zwischen Rutesheim und Leo-West


Arnold Einholz schrieb in der Leonberger Kreiszeitung vom 30.10.2014: "Wieder muss Flüsterasphalt saniert werden". Und: "Bereits vor einem Monat hat das Regierungspräsidium für den Bund den Flüsterasphalt auf der A 8 für fast eine Million Euro sanieren lassen." Eine Menge Geld also, für jene Reparatur im Oktober 2014 ... Aber damit ist es nicht getan, sondern wir brauchen eine grundlegende Sanierung, die 2016 erfolgen soll. Alexander Ikrat schrieb in den Stuttgarter Nachrichten vom 11.10.2014 "Fast neue A8 wird zur Dauerbaustelle". Ihm hat die Behörde erklärt, dass Flüsterasphalt 10 Jahre hält. Er berichtet außerdem, dass 800 Meter Autobahn von der Herstellerfirma im November 2013 repariert wurden. Wir hatten im Mai 2013 ein Bild der Auffahrt Leonberg-West in unserem Blog, weil sie repariert wurde - das war übrigens dieselbe Stelle wie im Oktober 2014. Gregor Preiss schrieb in den Stuttgarter Nachrichten vom 28.10.2011 "Viele Straßen ein Garantiefall", dass der Belag auf der 2008 eröffneten Autobahn zwischen Leonberg und Heimsheim kaputt sei. Selbstverständlich gab es auch damals Reparaturen... 

Eröffnung 2008, seither Reparaturen 2011, 2013, 2014 und Sanierung 2016. Die Kosten gehen in die Millionen. Es gehört eine Menge Chuzpe dazu, wenn das Regierungspräsidium den Stuttgarter Nachrichten erzählt, dass diese Straße 10 Jahre lang hält.



Baustelle in Sicht

Der offenporige Flüsterasphalt ist für uns Steuerzahler ein Fass ohne Boden. Aufgrund der Offenporigkeit dringt Wasser in den Belag und wenn es im Winter gefriert, dann kommt es zwangsläufig zu Frostschäden. Die starken Kräfte beim Überfahren mit schweren LKW führen zu Kornausbrüchen oder einfacher gesagt zum Zerbröseln. Trotzdem setzen die Behörden auf Flüsterasphalt als geeignetes Mittel des Lärmschutzes. Die Baufirmen freut es, denn offenporiger Asphalt ist offenbar eine Lizenz zum Geld drucken.


Ob dieser unterirdischen Qualität finden wir: die Verantwortlichen in den Behörden, die bei Reparaturen und Sanierungen immer noch Flüsterasphalt verwenden, der dann demnächst wieder kaputt geht, die gehören zu den Danaiden in den Tartaros verbannt - und dort müssen sie dann auf unterweltlichen Autobahnen bis in alle Ewigkeit sich neu öffnende Schlaglöcher stopfen ...

Eine schöne künstlerische Antwort auf Straßenschäden hat übrigens Jim Bachor aus Chicago gefunden: Der stopft seine Schlaglöcher mit Mosaiken. Diese halten ja vielleicht länger als der Flüsterasphalt ...