Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das alte Jahr geht zu Ende ...


... und man möchte unfertige Dinge noch schnell irgendwie erledigen. Das gilt wohl auch für Regierungspräsident Schmalzl, der laut Presseberichten vom 19.12.2014 vor den Weihnachtsferien noch schnell die achte Spur der Autobahn 8 zwischen dem Kreuz Stuttgart und dem Leonberger Dreieck genehmigt hat:
Wir schauen uns jetzt die Autobahn A8 in dieser Gegend etwas genauer an:
Satellitenbild via Google Maps : die Autobahn A8 mit der Brücke der Büsnauer Straße K1008 unweit der Glemseckstraße 

Man sieht: die A8 hat zwischen dem Kreuz Stuttgart und dem Leonberger Dreieck in Richtung Süden vier Spuren und in Richtung Norden bloß drei. Insgesamt gibt es also gegenwärtig sieben Spuren und man möchte den Abschnitt auf acht Spuren (4+4) ausbauen. Dies erhöht die Kapazität und belastet somit die Umwelt mit Lärm und Schadstoffen. Die Unterlassung einer Umweltverträglichkeitsprüfung kommunizierte die Behörde einfach mit Bekanntmachung am 10.11.2014.

Apropos Umweltverträglichkeit: Der Gemeinderat Leonberg beschloss am 13.05.2014 besseren Lärmschutz zu fordern. Die Stadtverwaltung schrieb deshalb am 10.06.2014 einen Brief ans Regierungspräsidium, in welchem steht: "Die Stadt Leonberg geht durch diese Maßnahme von einem erheblichen baulichen Eingriff gemäß Bundesimmissionsschutzverordnung aus und fordert eine Reduzierung des Verkehrslärms durch Errichtung begleitender Lärmschutzmaßnahmen im Verlauf der BAB A8 von Autobahnkreuz Stuttgart bis Leonberg West". Aus gut unterrichteter Quelle wissen wir: Das Regierungspräsidium hat nie darauf geantwortet. Rein gar nichts. Erklärungsversuche:
  1. das Regierungspräsidium hat den Brief der Stadtverwaltung verschlampt: das wäre dann ein Durcheinander, das wenig Vertrauen in die Arbeit dieser Behörde vermittelt,
  2. das Regierungspräsidium weiß keine Antwort: das wäre dann als Inkompetenz zu bewerten,
  3. im Regierungspräsidium interessiert die Angelegenheit niemanden so richtig: das wäre dann ein unterirdisches Qualitätsbewusstsein, weil den Handelnden die Konsequenzen des eigenen Handelns egal wären,
  4. das Regierungspräsidium sitzt irgendwelche Einwendungen einfach aus: lästige Fragen werden absichtlich nicht beantwortet, man schafft stattdessen vollendete Tatsachen in der Hoffnung, dass viele Menschen irgendwann aufgeben, wenn man sie nur lange genug ignoriert. Das wäre allerdings politische Böswilligkeit, die zwar Politikern zustehen mag, nicht aber ausführenden Behörden.
Naturgemäß wissen wir nicht, welche Erklärung zutrifft, denn die Behörde schweigt. Anstelle einer ordentlichen Antwort eine Bekanntmachung ins Internet zu stellen (die erfahrungsgemäß keiner findet und liest) ist dreist. 

Die Leonberger Stadtverwaltung war jedenfalls befremdet, dass man von der Plangenehmigung lediglich aus der Presse erfuhr anstatt von der zuständigen Behörde informiert zu werden. 
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... mehr Echos aus der Presse ...


In den vergangenen Wochen stand noch mehr in der Zeitung und das reicht uns für die folgende kleine Presseschau:
  • Die Leonberger Kreiszeitung berichtet am 11.11.2014 über "Ein neues Bündnis gegen Krach": es geht dabei um die Lärmschutzinitiativen aus Renningen und Leonberg, unterlassene Lärmschutzmaßnahmen und den Renninger Schwarzbau.
  • Dazu passend stand in der Leonberger Keiszeitung vom 18.11.2014 "Der Straßenlärm treibt die Anwohner im Ezach um": Die Ezacher fragen gar "ob die Stadtverwaltung und der Gemeinderat überhaupt an die Bürger denken und deren Interessen vertreten". Der auf kaltem Weg als Provisorium umgesetzte Lückenschluß B295/464 wird ebenso diskutiert wie der geplante Verflechtungsstreifen auf der A8, der eine weitere Zunahme der Lärmbelastung durch seine Fernwirkungen erwarten läßt.
  • Die Stuttgarter Zeitung schreibt am 21.11.2014: "Das neue Bündnis, bei dem Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn eine führende Rolle spielen soll, macht sich insbesondere dafür stark, dass die vom Land für den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015/2016 vorgeschlagenen Projekte in die Liste der zu finanzierenden Maßnahmen aufgenommen werden. Dazu gehört vor allem der Ausbau der Autobahnen in der Region – etwa auf der viel belasteten A 81 zwischen Pleidelsheim im Kreis Ludwigsburg und Leonberger Kreuz und weiter auf der A 8 bis Wendlingen im Kreis Esslingen mit durchgehend acht Fahrspuren. An einigen Stellen sollen dafür die bestehenden Standspuren genutzt werden. Auf dem Plan steht auch der sechsspurige Ausbau der A 81 zwischen Böblingen/Hulb und dem Stuttgarter Kreuz."  Merkwürdig. Der grüne OB von Stuttgart, Fritz Kuhn lässt sich da vor einen Karren spannen. Warum eigentlich? Ausbau hin oder her - jedenfalls ist von den Grünen zum Thema Lärmschutz an einem der meist befahrenen Autobahnabschnitte Deutschlands so gut wie gar nichts zu hören ... 

20100727 Nikko Tosho-gu Three wise monkeys 5965
Die drei weisen Affen (das Orginal an einem Tempel im japanischen Nikko):
Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig
Dabei hat Kuhn in Stuttgart noch jede Menge Hausaufgaben zu erledigen, bevor er sich um den Ausbau der Autobahnen im Umland kümmern kann:
  • Die Stuttgarter Zeitung schreibt am 15.12.2014 "Luftverschmutzung in Stuttgart: Blauer Feinstaub-Brief aus Brüssel". Seit zehn Jahren bemängelt Brüssel die Belastung durch Luftschadstoffe z.B. am Neckartor. Geholfen hat es wenig. Jetzt drohen empfindliche Strafen.
  • Die Stuttgarter Zeitung vom 23.12.2014 berichtet "Feinstaubproblem in Stuttgart: Umweltschützer fordern Verkehrsbeschränkungen". Jetzt fordern also die Verbände, dass endlich etwas Konkretes geschehen soll.
  • Die Stuttgarter Zeitung vom 23.12.2014 berichtet "Blauer Brief wegen Feinstaub: Brüssel erwartet jetzt einen konkreten Fahrplan". Allerdings scheint der Termindruck doch nicht ganz so hoch, wie nach dem blauen Brief vermutet. Oder vielleicht ist das ja Zweckoptimismus Pfeifen im Wald ...
Bekanntlich wird auch in Leonberg der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) seit Jahren überschritten. Und auch hier sind Behörden und Politiker erkennbar untätig. 

Zum kulturell wertvollen Abschluss hier noch ein Bild von einem Spaziergang im November (frei von Luftverschmutzung). Allen Lesern wünschen wir ein gutes und gesundes neues Jahr.
Ausblick von der Königlichen Jagdhütte im Schönbuch auf die Schwäbische Alb

Nachtrag 04.01.2015:

Auf den Webseiten der Deutschen Umwelthilfe finden sich aktuell weitere interessante Informationen über Luftverschmutzung:
Zum Schluss hier noch der "Blaue Brief" aus Brüssel vom 26.11.2014

Sonntag, 7. Dezember 2014

Bahnlärmkartierung

Die Lärmkartierung der Bahn ist da. Jeder kann beim Eisenbahnbundesamt nachschlagen und die Karte bis auf einzelne Wohngebäude heranzoomen. Die Berechnungsbasis ist die Anzahl der Züge im Jahr 2010, welche von der Bahn genannt wurde (und die von manchen Betroffenen, die eigene Messstationen betreiben, angezweifelt werden).

Bahnlärmindex bei Silberberg laut aktueller Lärmkartierung (Datengrundlage: Eisenbahnbundesamt 2014)
Der gesamte Westen Leonbergs ist erheblich belastet.

Bahnlärmindex für den Westen Leonbergs laut aktueller Lärmkartierung (Datengrundlage: Eisenbahnbundesamt 2014)

Wie man sieht, kann es der Lärmteppich der Bahn durchaus mit dem Lärmteppich der Autobahn aufnehmen, welcher eher den Süden Leonbergs belastet.

Autobahnlärm für den Süden Leonbergs laut Lärmkartierung (Datengundlage: LUBW 2013)
Legt man beide Karten, die für Bahn- und für Straßenlärm, übereinander, dann bleibt da kein Auge trocken ...