Montag, 16. Februar 2015

Rheinfälle und dergleichen


Quelle: ADAC via T-Online (13.02.2015: "ADAC-Statistik: So lange standen deutsche Autofahrer im Stau"


Der ADAC veröffentlichte seine Bilanz der Staus im Jahr 2014, die sich insgesamt auf immerhin 960.000 km Gesamtlänge mit 32 Jahren Wartezeit summieren. Wir gratulieren: bundesweit auf dem ersten Platz liegt "unsere" A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe.


via twitter
Die FAZ vom 14.02.2015 schreibt über "Marode Brücken: Ein irre teurer Rheinfall". Es geht dort um die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden, die gerade zerbröckelt, weil sie den Belastungen durch den heutigen Verkehr nicht gewachsen ist. Offenbar waren unsere Straßenbauer auch anderswo nicht in der Lage Verkehrsbauwerke dauerfest auszulegen (ähnliche Beobachtungen hatten wir auch hier gemacht).

Güterzüge, die durch Wohngebiete fahren, verursachen enorme Unfallrisiken, besonders wenn sie mit Gefahrstoffe beladen sind (über dieses Thema führten wir hier einen Briefwechsel mit dem Verkehrsminister). Das Eisenbahnbundesamt hat nun die Ursachen für einen Güterzugunfall am 14.02.2013 im Bremen aufgeklärt. Laut dieser Pressemitteilung vom 23.01.2015 fuhr ein Waggon mit angezogener Feststellbremse, was 8 km lang keiner bemerkte und was schließlich zu einer Entgleisung mit einem Schaden in Höhe von 4,5 Mio Euro führte. Zum Glück waren keine Gefahrstoffe geladen. Allerdings befremdet es schon, dass Güterzüge bei uns offenbar mit Uralttechnik fahren (dürfen) und deswegen sich anbahnende Unfälle 8 km lang nicht erkannt werden. Jedes Auto - selbst das billigste - hat heutzutage raffinierte Sicherheitssysteme wie ABS und Warnleuchten für alles Mögliche ... nur der DB-AG fehlt offenbar das nötige Kleingeld für einfachste Sicherheitstechnik. Ob das am versemmelten Börsengang oder am Milliardengrab Stuttgart 21 liegt ist angesichts der potentiellen Gefährdung eher unwichtig.

Quelle LUBW via Regionalrundbrief BUND 02.2015
Der BUND schreibt in seinem Regionalrundbrief Februar 2015 "Dicke Luft nicht nur in Stuttgart, sondern auch in der Region".  Berichtet wird, dass 2013 in Deutschland 47.000 Menschen an Luftschadstoffen wie Feinstaub starben. Weiterhin wird ausführlich über Stickstoffdioxid berichtet - es "verursacht Atemwegserkrankungen bis zum Lungenkrebs". Der Grenzwert (gelbe Linie) wird in der Region und auch in Leonberg nicht eingehalten.

Zu den überschrittenen Grenzwerten bei Luftschadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden gibt es Beiträge der SWR Landesschau vom 15.01.2015 und dem 19.01.2015 (Pressekonferenz mit dem Verkehrsminister):






Selbstverständlich ist nicht nur Stuttgart (oder Leonberg) betroffen. Paris und Madrid planen erheblich weitreichendere Maßnahmen als unsere Politiker.


Aus dem Gesundheitswesen erreichen uns erschreckende Nachrichten: Die Deutsche Apothekerzeitung ist eigentlich eher nicht als ein linksradikales Kampfblatt bekannt. Sie titelt aber  am 06.02.2015 "Pharmaindustrie schlimmer als die Mafia" und berichtet, dass bei Einführung neuer Medikamente der "Tod in Kauf genommen" würde (ausführlich steht das ganze auch in der Süddeutschen). Der Spiegel weiß zu diesem Thema "Deutschland bezahlte 330 mio für fragwürdige Grippemittel". Laut Telepolis waren es weltweit mehr als 8 Milliarden.


Apropos Grippe: "Die Notaufnahmen in Bayerns Krankenhäusern sind flächendeckend überlastet" findet die Passauer Neue Presse am 14.02.2014. Die Süddeutsche schrieb am 13.02.2014 "Notfallmedizin in Bayern: Vor dem Kollaps".  Die Ärztezeitung berichtet am 13.02.2014  "Der Vorstand des Klinikums Nürnberg, Dr. Alfred Estelmann, sagte dem Bayerischen Rundfunk, es sei nicht selten, dass Patienten, die man trotz Vollbelegung habe aufnehmen müssen, nicht mehr adäquat untergebracht werden können. Häufig müssten Zimmer überbelegt oder Patienten in Betten auf dem Klinikgang versorgt werden." Anscheinend haben Gesundheitspolitiker Schwierigkeiten sich vorzustellen, dass im Falle einer Epidemie mehrere Menschen gleichzeitig erkranken und versorgt weden müssen. Ob die Patienten jetzt mangels Betten mit den erwähnten "fragwürdigen Grippemitteln" behandelt werden, wissen wir nicht ;-)

Stattdessen wissen wir etwas anderes: Wir bauen in unseren Kliniken Betten ab (bekanntlich nicht nur in Bayern) und verwenden das eingesparte Geld, um überteuerte Pharmaka von zweifelhafter Wirksamkeit zu beschaffen. Unsere Brücken werden nicht dauerfest ausgelegt und auch nicht vorausschauend gewartet, weshalb sie jetzt gesperrt werden, weil sie zerbröseln. Gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte halten wir schon seit etlichen Jahren nicht ein und haben zudem dafür keinen Plan mit in absehbarer Zeit wirksamen Maßnahmen. Bei der Daseinsvorsorge und der Infrastruktur nähern wir uns also zügigen Schrittes dem Stand eines Entwicklungslandes ...


Nachlese (19.02.2015)
Soeben kam uns ein ziemlich alter, aber extrem interessanter Artikel aus dem Spiegel vom 21.08.1995 unter, in welchem steht: "Hilflos bis naßforsch äußerten sich Mitglieder des Normenausschusses Bauwesen zu der Forderung, Spannbetonbrücken müßten rissefrei gebaut werden. Die Einlassungen reichten, wie der Münchner Wirtschaftswissenschaftler und Buchautor Armin Witt schreibt, von der Aussage "Wir können doch die Erkenntnisse der Physik nicht in die Vorschriften aufnehmen" bis hin zu der verblüffenden Feststellung: "Wenn wir die Temperaturlastfälle in die Vorschriften aufnehmen, können wir keine Atomreaktordruckbehälter mehr aus Spannbeton bauen."" So so: die Druckbehälter von Atomreaktoren kommen dann demnächst wohl auch noch ...

Nachtrag (22.02.2015)
Professionalität finden wir zur Zeit überall - ganz egal, wo man hinschaut: Laut Pressemitteilung der ARD vom 17.02.2015 benutzt die Bundeswehr für ihre neue schnelle NATO-Eingreiftruppe schwarz angemalte Besenstiele anstelle von Kanonenrohren (zur Abschreckung?). Der Spiegel weiß am 21.02.2015, dass unsere Verteidigungsministerin gerade Marinehubschrauber beschafft, die nicht über dem Meer fliegen dürfen. Kein Wunder, dass unsere Brücken zusammenbrechen: wahrscheinlich vor Lachen.